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Bremsweg berechnen – einfach und schnell

6 MinWenn Sie den Bremsweg beim Fahren richtig einschätzen können, sind Sie sicherer mit dem Auto unterwegs.

Bremsspur eines Autoreifens auf dem Asphalt
Lena Eichwald
01.03.2025
6 Min

In Deutschland gibt es, sofern Schilder nichts anderes regeln, kein grundsätzliches Tempolimit. Wer allerdings einmal richtig Fahrt aufgenommen hat, muss irgendwann auch wieder bremsen. Um ein Stück weit in solchen und vielen anderen Situationen sicher zu sein, lohnt es sich, den Bremsweg berechnen zu können. Einmal die Bremsweg-Formel und die Einflussfaktoren verstanden, sorgt das Ergebnis dafür, das sich der optimale Sicherheitsabstand einhalten lässt.

Was ist der Bremsweg eines Autos?

Nachdem Sie auf die Bremse getreten haben, legt Ihr Fahrzeug noch eine gewisse Wegstrecke zurück, bis es endgültig zum Stillstand kommt. Bei dieser Strecke handelt es sich um den sogenannten Bremsweg des Autos. Der Bremsweg ist also die Strecke, die das Fahrzeug vom Beginn des Bremsvorgangs bis zum vollständigen Stillstand zurücklegt.

Er ist allerdings nicht die einzige Konstante, die ausdrückt, wie viel Raum ein Wagen bis zum vollständigen Stehenbleiben benötigt. Zu beachten ist hierbei auch der Anhalteweg. Er setzt sich aus dem Brems- und dem Reaktionsweg zusammen und ist im Vergleich länger als der Bremsweg.

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Beachten Sie:

Der Bremsweg bei Nässe verlängert sich. Das Gleiche gilt bei zu schwachem Bremsdruck oder auf abschüssigen Straßen.

Warum den Bremsweg berechnen?

Den Bremsweg zu berechnen und zu kennen, hilft Ihnen, unangenehme Situationen und sogar Unfälle zu vermeiden. Denn kein Pkw kommt beim Betätigen der Bremse unmittelbar zum Stillstand. Bis die Energie, die den Wagen vorwärtsbewegt, abgebaut ist, vergeht Zeit. So ist jeder Meter entscheidend, wenn es darum geht, einen Auffahrunfall zu verhindern. Zudem hilft die Kenntnis über den Bremsweg, Gefahren frühzeitig und richtig einzuschätzen, seine Geschwindigkeit anzupassen und die Kontrolle über das Fahrzeug zu behalten. Weiterhin vermeiden Sie Bußgelder und sogar Punkte, wenn Sie sich an den Mindeststand halten.

Es ist also auch außerhalb der Fahrschule sinnvoll, sich die Grundlage und die Bremsweg-Faustformel noch einmal ins Gedächtnis zu rufen.

Den Bremsweg berechnen für Autos

Bremsweg-Formel für eine Normalbremsung

Man berechnet beim Bremsweg den normalen Bremsvorgang und im Unterschied dazu die Gefahrenbremsung bzw. Vollbremsung. Die Bremsweg-Formel für eine Normalbremsung, beispielsweise beim Abbremsen an einer Stoppstraße oder vor einer roten Ampel, lautet:

(Geschwindigkeit in km/h : 10) x (Geschwindigkeit in km/h : 10) = Bremsweg in Metern

Beispiel: Bei 80 km/h beträgt der Bremsweg 64 Meter.

Bremsweg-Formel für eine Vollbremsung

In einer Gefahrensituation ist die Kraft, die auf das Bremspedal einwirkt, deutlich höher, da das Bremspedal meist voll durchgetreten wird. Da durch die daraus resultierende höhere Bremskraft eine Halbierung des Bremsweges erfolgt, wird der Bremsweg bei einer Vollbremsung mit folgender Formel berechnen:

(Geschwindigkeit in km/h : 10) x (Geschwindigkeit in km/h : 10) / 2 = Bremsweg in Metern

Reaktionsweg und Anhalteweg

Reaktionsweg

Der Reaktionsweg ist die Distanz, die ein Fahrzeug zurücklegt, bevor der Fahrer auf eine Gefahrensituation reagiert und die Bremse betätigt.

Die Reaktionszeit berechnen Sie mit nachfolgender Formel:

Formel: Geschwindigkeit in km/h ÷ 10 × 3

Beispiel: Bei 60 km/h beträgt der Reaktionsweg 18 Meter.

Anhalteweg

Der Anhalteweg ist die Summe aus Reaktionsweg und Bremsweg und beschreibt, wie viel Strecke das Fahrzeug insgesamt benötigt, um zum Stillstand zu kommen.

Den Anhalteweg berechnen Sie mit nachfolgender Formel:

Formel: Anhalteweg = Reaktionsweg + Bremsweg 

Beispiel: Bei 70 km/h beträgt der Anhalteweg 73 Meter (Reaktionsweg 21 Meter + Bremsweg 52 Meter).

Wie verändert sich der Bremsweg bei einer Gefahrenbremsung?

Der Bremsweg hängt maßgeblich davon ab, ob eine normale Bremsung oder aufgrund einer Gefahrensituation eine Vollbremsung durchgeführt wird. Wer den Bremsweg mittels Faustformel bei einer Notbremsung berechnet, wird feststellen, dass dieser sich um die Hälfte reduziert. Fährt man beispielsweise 80 km/h, verkürzt sich der Bremsweg bei einer Gefahrenbremsung von 64 Metern auf etwa 32 Meter.

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass der Bremsweg linear zur Geschwindigkeit ansteigt. Tatsächlich gilt: Verdoppelt sich die Geschwindigkeit, vervierfacht sich der Bremsweg. Im Gegensatz dazu verhält sich der Reaktionsweg linear zur Geschwindigkeit – er steigt.

Welche Faktoren beeinflussen den Bremsweg?

Wie bereits erwähnt, ist der Bremsweg keine Konstante, sondern verändert sich unter bestimmten Voraussetzungen. Er kann sich verkürzen oder verlängern. Den Bremsweg anhand der Formeln zu berechnen, liefert also immer nur einen Anhaltspunkt. Die nachfolgenden Faktoren können ihn verändern:

  • Straßenzustand wie Nässe oder Glätte
  • Qualität und Abnutzungsgrad der Bremsbelege oder -scheiben
  • Zustand der Reifen
  • Qualität des Straßenbelags
  • Witterungsverhältnisse
  • Beschaffenheit des Bremssystems
  • Alter oder Menge der Bremsflüssigkeit
  • Verfassung des Fahrers

Wie verlängert sich der Anhalteweg im Winter?

Im Winter sind Straßen bekanntermaßen witterungsbedingt rutschiger. Dazu gesellt sich die Dunkelheit, wenn man nachts Auto fährt. Damit geht auch die Tatsache einher, dass sich der Anhalteweg erheblich verlängert. Bei Schnee ist der Anhalteweg etwa dreimal so lang wie unter idealen Bedingungen, bei Eis sogar bis zu siebenmal.

Vereiste Straßen sind besonders tückisch, da Feuchtigkeit bereits bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt gefrieren kann. Das ist insbesondere in den frühen Morgen- und Abendstunden der Fall.

Hier ist eine besonders vorsichtige und ruhige Fahrweise wichtig und orientieren Sie sich an bewährten Fahrtipps im Winter:

  • Fahren Sie langsam.
  • Vermeiden Sie unnötiges Überholen sowie starkes Beschleunigen und Bremsen.
  • Halten Sie einen größeren Sicherheitsabstand ein.

Sollten Sie doch ins Rutschen geraten, halten Sie das Lenkrad fest und vermeiden Sie hektische Lenkbewegungen, um das Fahrzeug stabil auf der Spur zu halten.

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3 Tipps zum Abstand halten

Um als Autofahrer im Ernstfall rechtzeitig reagieren zu können, gilt es, ausreichend Abstand zu anderen Fahrzeugen einzuhalten. Der empfohlene Abstand variiert je nach Fahrumgebung und den aktuellen Straßenbedingungen.

Innerorts: Halten Sie etwa 15 Meter Abstand, was drei Autolängen entspricht.

Außerorts und auf Autobahnen: Nutzen Sie zur Sicherheitsabstand-Berechnung die Faustregel „Halber Tacho“ – bei 100 km/h sind das 50 Meter Abstand.

Schlechte Sicht oder rutschige Straßen: Verdoppeln Sie den Abstand. Bei 100 km/h bedeutet das 100 Meter.

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Gut zu wissen:

Auch ein zu großer Sicherheitsabstand kann zu einer Gefahr werden, wenn andere Verkehrsteilnehmer die Lücke plötzlich zum Überholen nutzen.

Gleichermaßen wie der Abstand zum Vordermann ist auf einen ausreichenden Seitenabstand zu achten.

Radfahrer, Fußgänger, Elektrokleinstfahrzeuge: mindestens 1,5 Meter innerorts, 2 Meter außerorts

Motorräder und einspurige Fahrzeuge: mindestens 1,5 Meter

Pkw oder Lkw: mindestens 1 Meter

Wartende Schul- und Linienbusse: mindestens 2 Meter

Unabhängig vom Bremsweg berechnen, können Sie die 2-Sekunden-Regel zum Abstandhalten nutzen.

Was droht, wenn der Sicherheitsabstand nicht eingehalten wird?

Je nach Schwere des Abstandsverstoßes sieht der Bußgeldkatalog Sanktionen in Form von Geldstrafen zwischen 25 und 400 € vor. Zusätzlich drohen Punkte in Flensburg. Bei besonders schwerwiegenden Verstößen kann auch ein Fahrverbot verhängt werden. Die Straßenverkehrsordnung (StVO) definiert zwar keinen exakt festgelegten Mindestabstand, aber es gilt in jeder Situation, dass der Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug so gewählt sein muss, dass der Fahrer in der Lage ist, rechtzeitig zum Stillstand zu kommen, selbst wenn das vordere Fahrzeug plötzlich abbremst. Die allgemeinen Grundsätze zum Abstandhalten, die aus der Rechtsprechung hervorgegangen sind, werden bereits in der Fahrschulausbildung gelehrt. Es lohnt sich also durchaus, sein Wissen regelmäßig aufzufrischen.

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Gut zu wissen:

Der Sicherheitsabstand muss stets den Umständen angepasst werden. Darunter fallen Glätte, Sichtverhältnisse oder der Zustand des Fahrzeugs. Den Bremsweg zu berechnen und die Faustformeln dienen lediglich als grobe Orientierung. Nicht nur dem Fahrer, sondern auch Behörden, um Abstandsverstöße zu bewerten. Idealerweise sollte der Abstand dem theoretisch berechneten Anhalteweg entsprechen.

Moderne Fahrzeuge sind immer öfter schon ab Werk mit fortschrittlichen Technologien ausgestattet. Diese haben das Ziel, die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. Ein solches Assistenzsystem ist ein integrierter Abstandsrechner, der automatisch den Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen misst und anpasst. Dazu erfassen Radarsensoren den Abstand und korrigieren ihn bei Unterschreitung des Mindestabstands.

Welche Versicherung zahlt, wenn es zu einem Auffahrunfall kommt?

Um einem Fahrer die Unterschreitung des vorgeschriebenen Abstands vorzuwerfen, muss eine korrekte Abstandsmessung vorliegen. Die Polizei nutzt hierfür verschiedene Methoden von Radarfallen. Zu den gängigen Verfahren gehören die optische oder Laserentfernungsmessung, die mobile Videoüberwachung sowie die stationäre Videoüberwachung.

Ist es zu einem Auffahrunfall aufgrund eines zu geringen Abstands gekommen, erfolgt die Schadenregulierung in der Regel über die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers.

Sofern beide Fahrer eine Teilschuld tragen, regulieren die Versicherungen die Kosten anteilig anhand der jeweiligen Schuldquote.

Wenn beispielsweise festgestellt wird, dass Sie eine Mitschuld von 30 % tragen und der Unfallgegner 70 %, übernimmt Ihre Versicherung 30 % des Schadens am Fahrzeug des Unfallgegners, während die gegnerische Versicherung 70 % des Schadens an Ihrem Fahrzeug reguliert. Falls Sie eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen haben, kann diese die restlichen 30 % des Schadens an Ihrem eigenen Fahrzeug übernehmen. Eine Teilkaskoversicherung greift in einem solchen Fall nicht.

Wenn Sie bewusst auf Ihr Brems- und Beschleunigungsverhalten achten, können Sie die Vorteile eines Kfz-Telematik-Tarifs nutzen.

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